MobileLifeCampus, Wolfsburg

Gläserne Innovationsschmiede

Innovativ in Form und Funktion: Als eine neue Art der Kommunikationsarchitektur bezeichnet Architekt Gunter Henn den von ihm entworfenen „MobileLifeCampus“. Der im Mai 2006 eröffnete Gebäudekomplex am westlichen Stadtrand von Wolfsburg unterstreicht durch seine Transparenz und die dynamisch bandförmige Gebäudestruktur seine Nutzung als vernetzte Innovationsschmiede und Plattform für Kooperationen von Partnern aus Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft – insbesondere für den Bauherren, die Wolfsburg AG. Das Bauwerk dokumentiert gleichzeitig die hohe Leistungsfähigkeit moderner Verglasung. Hochwertige ipasol Sonnenschutzgläser (Interpane) kombinieren Wärme- und Überhitzungsschutz ohne wesentliche Beeinträchtigung der Transparenz. Das führt zu einer hohen Tageslichtausbeute und optimiertem Raumklima.

Der Bauherr des MobileLifeCampus, die Wolfsburg AG, ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Volkswagen AG und der Stadt Wolfsburg. Der Entwurfsauftrag ging an Gunter Henn. Der renommierte Architekt hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur bei der Planung der Autostadt intensiv mit der Marke Volkswagen auseinandergesetzt. Er ist zudem für seine analytische Entwurfsmethodik, die die bauliche Umsetzung von Anfang an einbezieht, bekannt. Dieses war angesichts der komplexen Nutzungsansprüche an das Gebäude besonders wichtig. Die methodische Vorgehensweise führte über ein abstrahiertes Strukturmodell mit diagonal verkreuzten Raumsträngen schrittweise zu der eigenwilligen Gebäudestruktur.

Offene und geschlossene Fassadenflächen

Der Gebäudekomplex (25.000 Quadratmeter) gleicht einem doppelt gefalteten Band, das diagonal die Richtung wechselt. Es verbindet dabei auf kurzen Wegen – teilweise bewusst überschneidend – Räume und die durch die Gebäudeanordnung entstehenden Innenhöfe. In den  „Falten“ sind die Geschossebenen integriert. Die ungewöhnliche Gebäudestruktur findet sich auch in der Fassade wieder. Sie ist im Wechselspiel von geschlossenen, parallelogrammförmigen Sichtbetonflächen und gebäudeöffnenden Glasfassaden gestaltet.

Das Zentrum bildet das mit einem viereckigen Glasdach überspannte Atrium. Die vertikale Erschließung erfolgt über fünf Treppenhauskerne und zwei Aufzüge. In den Obergeschossen dienen um das Atrium angeordnete Galeriegänge und Rampen der weiteren Erschließung. Offene Treppen ermöglichen unmittelbare Kontaktaufnahme und Kommunikation. Die Seminarräume sind frei um das Atrium angeordnet und ragen auf unterschiedlichen Höhen hinein.

Vorgefertigte Elementfassade

Aus wirtschaftlichen und gestalterischen Erwägungen sah die Ausführungsplanung größtenteils Elementfassaden vor. Deren Herstellung (inklusive Verglasung) erfolgte witterungsunabhängig im Werk.

Besondere Sorgfalt erforderte der Einbau der Glaselemente des Atriumdaches (1274 x 2575 mm). Zur Fixierung wurde die Verglasung im Glasauflager vertikal verleistet, die Punkthalter wurden horizontal versiegelt. Vor Ort montierten die Verarbeiter die Einzelelemente in einer auf das Dachtragwerk (Primärtragkonstruktion) aus fünf unterspannten Stahlträgern aufgeständerten Sekundärtragkonstruktion aus Pfosten-Riegel-Elementen (140 x 70 mm). Die Pfosten bestehen aus geschweißten Stahlprofilen (400 x 600 mm) mit Schattenfuge. Die vorgesetzten Riegelhohlprofile (80 x 60 x 4 mm) sind mit den Pfosten verschraubt.


Klimaschutz durch Sonnenschutzglas

Kostensparendes Bauen darf nicht zu hohen Betriebskosten führen – das spätere Heizen und Kühlen von Räumen muss entsprechend in der Planung berücksichtigt werden. Ein wesentlicher Faktor dabei: die physikalische Leistungsfähigkeit der Verglasung. Das von Interpane (Lauenförde) gelieferte Sonnenschutzglas ipasol neutral 50/25 für das Atriumdach verknüpft hohe Transparenz und Wärmedämmung (Ug = 1,1 W/m²K nach EN 673) mit einem geringen Sonnenenergiedurchlassgrad (g-Wert) von nur 27 Prozent nach EN 410. Gleichzeitig ist die Lichttransmission mit 50 Prozent relativ hoch – und an der Grenze des physikalisch Denkbaren. Eine Überhitzung des Atriums selbst im Hochsommer ist im Zusammenwirken mit einem innenliegenden Sonnenschutz praktisch ausgeschlossen.

Bei den Elementfassaden war vorrangig eine hohe Transparenz, also gute Lichttransmission gefragt. Hier entschieden sich die Verantwortlichen für das Sonnenschutzglas ipasol neutral 68/34. Es verbindet einen geringen Sonnenenergiedurchlassgrad (g-Wert 35 Prozent nach EN 410) mit einer sehr hohen Lichtdurchlässigkeit (67 Prozent nach EN 410).

In Bereichen mit relativ geringer Sonneneinstrahlung wie der Pfosten-Riegel-Fassade kam als winterlicher Wärmeschutz das für ein solches Anforderungsprofil maßgeschneiderte Interpane-Warmglas iplus zum Einsatz. Sicherheits- und Schallschutzansprüche, beispielsweise für Seminarräume, wurden durch Verwendung von Verbundsicherheitsglas bei der Warmglaskonstruktion berücksichtigt.

Eingegliedert in den Landschaftspark

Das im März 2006 fertiggestellte Bauwerk verfügt über eine Länge von ca. 165 Metern und eine Breite von ca. 54 Metern. Fünfgeschossig erreicht es eine Höhe von 21 Metern. Seit der Eröffnung dient der Gebäudekomplex als Standort der AutoUni und steht dem Volkswagen Konzern für weitere Nutzung zur Verfügung.

Trotz seiner eigenständigen Architektur wirkt der MobileLifeCampus nicht als Fremdkörper in den parkähnlichen Grünanlagen – mit allein 500 Apfel- und Kirschbäumen.

Foto: H. G. Esch, Hennef - Stadt Blankenberg